Methodik

Dokumentation der versicherungsmathematischen Berechnungsgrundlagen für den öffentlichen Plausibilisierungsrechner.

Stand: 19.07.2026. Diese Methodikseite beschreibt die im Rechner verwendete Sandbox-Logik. Sie ist keine Zusage regulatorischer oder prüferischer Verwendbarkeit.

Implementierungsumfang auf einen Blick

IFRS 17: GMM-Kernrechnung mit CSM, Verlustkomponente und Roll-forward. PAA wird als Eignung klassifiziert und im Ergebnis als GMM-Näherung gekennzeichnet; VFA ist eine vereinfachte Beteiligungsanpassung.

Solvency II: Standardformel-Proxy mit eingegebenen Eigenmitteln, technischen Rückstellungen und Asset-Basis. Keine vollständige Neubewertung der Bilanz und kein internes Modell.

Biometrie: DAV 2008 T und DAV 2004 R sind als 1.-Ordnung-Referenztabellen hinterlegt; Unisex ist eine gewichtete Referenzmischung. bAV verwendet DAV 2004 R als Näherung.

Marktdaten: Bei EIOPA-gestützter Diskontierung bevorzugt die Engine den archivierten EUR-Stand 30.06.2026 und weist bei einem Fallback den tatsächlichen Referenzstand aus. Die öffentliche Zinskurvenansicht ist zusätzlich ausdrücklich illustrativ.

IFRS 17 — Vertragliche Servicemarge (CSM)

FCF = PV(Leistungen) + PV(Kosten) − PV(Prämien)

CSM = max(0, −(FCF + RA))

Verlustkomponente = max(0, FCF + RA)

Quelle: IFRS 17.38 und IFRS 17.47. Positive FCF bedeuten Netto-Auszahlungen des Versicherers. CSM repräsentiert den über die Deckungsperiode aufzulösenden Gewinn. Belastende Verträge (Verlustkomponente > 0) erfordern eine sofortige Verlusterfassung.

Solvency II — SCR (approximierte Standardformel)

BSCR = √(Σᵢ Σⱼ Corrᵢⱼ × SCRᵢ × SCRⱼ)

SCR = BSCR + Op_SCR − LAC_DT

Op_SCR = min(0,30 × BSCR, max(4% × Prämien, 0,45% × TP))

MCR = max(MCR_floor, min(0,45 × SCR, max(0,25 × SCR, MCR_linear)))

Quelle: Delegierte Verordnung (EU) 2015/35, Art. 87–135 (BSCR), Art. 204 (Op_SCR), Art. 248–250 (MCR). Korrelationsmatrizen gem. Anhang IV.

DAV-Sterbetafeln

DAV 2008 T — Risikolebensversicherung

Basis: Rückversicherungsdaten 2001–2004 aus 47 deutschen Lebensversicherungsunternehmen. Geschlechtsspezifische Tafeln (Männer/Frauen). Die im Repository hinterlegte Unisex-Tafel ist eine 50/50-Referenzmischung; sie ist für Plausibilisierung gedacht und kein Ersatz für eine produktspezifisch festgelegte Tarifgrundlage. 1. Ordnung (enthält Sicherheitszuschläge).

DAV 2004 R — Rentenversicherung

Annuitantensterblichkeit (Selektionseffekt gegenüber Gesamtbevölkerung). Niedrigere Sterblichkeit als DAV 2008 T (konservativ für Rentenrückstellungen). Trendanpassungen über Generationentafeln möglich.

bAV — Betriebliche Altersversorgung

DBO = R_proj × ä × HBL × INV × (T_past / T_total) × v^n

IAS 19 — Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit): Die DBO (Defined Benefit Obligation) wird als Barwert der zum Bewertungsstichtag erdienten Pensionsleistungen berechnet, projiziert auf den Renteneintritt. Die Erdienungsquote (T_past / T_total) verteilt die Leistung linear über die Dienstzeit (IAS 19.70). Rechnungszins: Rendite hochwertiger Unternehmensanleihen (AA).

HGB: i = 10-Jahres-Durchschnitt für Pensionsrückstellungen (§ 253 Abs. 2 HGB)

HGB/BilMoG: Rechnungszins nach § 253 Abs. 2 HGB — für Pensionsrückstellungen der 10-Jahres-Durchschnitt der von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Abzinsungszinssätze. Der 7-Jahres-Durchschnitt bleibt als Vergleichswert für sonstige Rückstellungen relevant.

Biometrie: DAV 2004 R (Rentenversicherung) als Näherung. Für offizielle Gutachten sind die Heubeck Richttafeln RT 2018 G erforderlich (lizenzpflichtig).

Quellen: IAS 19 Employee Benefits (IASB), § 253 Abs. 1–2 HGB (BilMoG), BetrAVG.
Vollständige bAV-Methodendokumentation →

Technische Architektur

Öffentliche Berechnungen laufen über die Python-Engine (FastAPI). Sie verwendet die im Repository gepflegten DAV-Sterbetafeln, Solvency-II-Korrelationen, Smith-Wilson-/EIOPA-Zinskurvenlogik und einen nachvollziehbaren Prüfungsnachweis (Audit-Trail) für Zwischenschritte. Die Browser-Oberfläche dient der Datenerfassung und Darstellung; maßgebliche Ergebnisse werden serverseitig erzeugt. Fällt der aktuelle EIOPA-Feed aus, wird ein datierter Fallback verwendet und in den Warnungen offengelegt.